FREIE FAHRT FÜR FREIE BÜRGER

Drei mal Drei macht Vier, widde widde wid, und drei macht Neune, ich mach mir meine Statistik, widde widde wie sie mir gefällt.

So oder so ähnlich wird in letzter Zeit vermutlich manch ein Mitarbeiter der deutschen Umwelthilfe lauthals singend durchs Büro gelaufen sein. Nach einem Blick in die Medien in den vergangenen Monaten möge man meinen, das Auto sei in Deutschland Todesursache Nummer 1. Es wird der Eindruck vermittelt, die Luft in Deutschlands Großstädten bestehe fast ausschließlich aus NOX und die CO2-Emmissionen des Individualverkehrs würden die aller Kohlekraftwerke um mehrere Größenordnungen übersteigen. Da muss der Staat selbstverständlich sofort tätig werden: Verbote müssen her. Fahrverbote für die Diesel, Tempolimits auf der Autobahn, für den Anfang.

Aufgrund des gezeichneten Bildes lässt sich diese Reaktion sogar niemandem verübeln. Doch leider entziehen sich die dafür angeführten „Fakten“ jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Prinzipiell werden die Begriffe NOX, CO2, Feinstaub und Mikroplastik mittlerweile schon synonym verwendet, was zu bedenklichen Fehleinschätzungen führt. CO2 hat auf den menschlichen Organismus in realistischen Konzentrationen keinerlei negative Auswirkung. Unsere natürliche Atemluft besteht sogar zu 0,04% aus CO2. Einmal emittiert bleibt das CO2 jedoch dauerhaft in der Atmosphäre und trägt zum Klimawandel bei. Völlig anders verhält es sich mit Feinstaub und NOX. Diese führen in hohen Konzentrationen zu einer Belastung des menschlichen Organismus, werden aber bereits nach kurzer Zeit zersetzt oder aus der Atmosphäre herausgewaschen, Effekt auf das Klima gleich null. Ein Dieselmotor arbeitet mit deutlich höheren Temperaturen als ein Benzinmotor, daher kommt es zu einer stärkeren NOX -Emission. Allerdings führt dies auch zu einer gegenüber dem Benzinmotor um 25% gesteigerten Effizienz, was in einem um 15% verringerten CO2-Ausstoß resultiert. Dieses Detail möge man doch bitte mal im Hinterkopf behalten, wenn das nächste Mal behauptet wird, der Diesel wäre vorrangig am Klimawandel schuld, er ist diesbezüglich die sauberere Alternative.

Selbstverständlich sollte hier dennoch die NOX – und Feinstaub-Belastung Berücksichtigung finden. Beides wird nur dann ein Problem, wenn sich eine große Menge Fahrzeuge auf engem Raum aufhalten, also in Großstädten. Aber stehen wir hier wirklich kurz vor dem Exitus? Zunächst sei erwähnt, dass Feinstaub ein völlig natürliches Phänomen ist. Der durch menschliches Handeln entstehende Feinstaub ist weiterhin nur zu 15% auf den Straßenverkehr zurückzuführen, der Rest wird von Hausheizungen und der Industrie verursacht. Von diesen 15% sind wiederum nur 15% dem Verbrennungsmotor zuzuschreiben, die übrigen 85% werden durch Abriebs- und Aufwirbelungs-Prozesse verursacht. Übrig bleiben gerade mal 2% des menschengemachten Feinstaubs, welcher auf die Verbrennungsmotoren zurückzuführen ist.

Bezüglich des NOX bedarf es dringend einer näheren Betrachtung der Grenzwerte. Diese liegen bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter und werden schlimmstenfalls in Stuttgart um 33 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten, Tendenz seit Jahren fallend. Deutlich schneller als die NOX -Emissionen fallen jedoch die betreffenden Grenzwerte, sodass die heute deutlich saubereren Motoren plötzlich zu einem viel größeren Problem werden als jene von vor 5 Jahren. Hier darf und muss definitiv die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens hinterfragt werden. Bereits eine Gruppe von über 100 Lungenfachärzten äußerte vor kurzen, dass es keine wissenschaftliche Erklärung für eine schädliche NOX -Wirkung in diesen niedrigen Konzentrationen gibt. Wie entstehen also diese irrsinnigen Grenzwerte?  Schuld ist die Luftqualitätsrichtlinie der EU von 2008, welche anschließend unverändert in nationales Recht überführt wurde. Die EU wiederum stützte sich bei ihrer Richtlinie auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Studie hält jedoch einer kritischen wissenschaftlichen Hinterfragung in keinster Weise stand. Hier wurde beispielsweise beobachtet, dass bei Bewohnern von Hauptverkehrsstraßen die durchschnittliche Lebenserwartung niedriger ist und daraus eine schädliche Wirkung von NOX gefolgert. Nur leider folgt aus der Beobachtung dieser Korrelation noch lange keine Kausalität. Beispielsweise könnte auch die an Hauptverkehrsstraßen erhöhte Lärm- und Stressbelastung für die geringere Lebenserwartung kausal sein.

Schlussendlich wurde sogar nicht mal vor unseren freien Autobahnen halt gemacht und ein allgemeines Tempolimit aus Umweltschutzgründen gefordert. Ob jetzt wegen des NOX oder wegen des CO2 wurde hier nicht wirklich klar, den meisten Autogegnern ist dies aber offensichtlich auch völlig egal. Da dieses Argument offenbar selbst jenen selbsternannten Klimarettern zu dünn erschien wurden zusätzlich noch die Verkehrstoten herangezogen. Auch hier offenbart sich bei näherer Betrachtung eine völlige Scheindebatte. Generell ist der Individualverkehr nur mit ca. 2-3% an den CO2-Emissionen beteiligt. Weiterhin können lediglich 9% CO2 durch ein Tempolimit eingespart werden, übrig bleiben lächerliche 0,3% Einsparung durch ein Tempolimit auf Autobahnen. Selbst bei den Verkehrstoten entfällt nur ein verschwindend geringer Anteil auf die Autobahnen. Auch dort passieren die meisten Unfälle bei niedrigen bis mittleren Geschwindigkeiten, mit einem Tempolimit könnten schätzungsweise 80-100 Todesfälle pro Jahr verhindert werden.

Diese Statistik ist bezeichnend dafür, wie in der aktuellen Debatte mit Zahlen und Statistiken umgegangen wird, um die eigenen wirkungslosen Forderungen durchzusetzen. Beispielsweise lässt sich sehr einfach eine Studie konstruieren, in der untersucht wird, wie sich verschiedene Baumarten auf unsere Gesundheit auswirken. Es ist sicher davon auszugehen, dass sich irgendeine Baumart finden lässt, in derer Gegenwart die durchschnittliche Lebenserwartung leicht niedriger als bei anderen Arten ist. Leget man jetzt die festgestellte Abweichung auf alle 82 Millionen Deutsche um, erhält man leicht eine Statistik mit der Aussage: Die Deutsche Eiche kostet jährlich 300 Menschenleben. Dies nützt vielleicht einem radikalen Baumgegner in der politischen Debatte, hat mit Wissenschaft nichts mehr zu tun. Einer solch geringen Abweichung fehlt es an statistischer Signifikanz. Sie ist wissenschaftlich korrekt so zu behandeln als würde sie nicht existieren.

Wir sollten uns dringend fragen ob dies der Umgang mit Wissenschaft ist, den wir in unserer Gesellschaft vertreten wollen und ob wir dies zur Grundlage politischer Entscheidungsprozesse machen wollen. Die Abkehr von der Wissenschaft ist ein Prozess erheblichen Gefahrenpotentials und gipfelte dann sogar darin, dass die besagten Lungenärzte für ihre Einschätzung öffentlich diffamiert wurden. Wissenschaftliche Einschätzungen entgegen des grünen Ökomainstreams sind nicht länger erwünscht. Zu allem Überfluss werden besagte pseudowissenschaftliche Statistiken dann auch noch unreflektiert über unsere Medien verbreitet. Allen voraus natürlich über die Öffentlich Rechtlichen, welche ihre Gebührenfinanzierung ausschließlich über den Bedarf von neutraler Berichterstattung rechtfertigen.

Auch für einen Liberalen wird das Thema Umweltschutz mit der nötigen Relevanz behandelt, jedoch stets faktenbasiert und mit dem nötigen Weitblick auf Wirtschaft und Gesellschaft. Lasst uns dort über Einsparungen diskutieren, wo wirklich ein signifikanter Einfluss auf Gesundheit und Weltklima erzielt werden kann und nicht etwa das Auto nur deshalb zum Hauptverursacher machen, weil man selbst lieber mit dem Fahrrad fährt.


Über den Autor: Felix Kibellus

Felix Kibellus (25) studiert Informatik an der Goethe Uni Frankfurt. Er leitet den Landesarbeitskreis Netzpolitik und ist Schatzmeister im Kreisverband Gießen. Ihr erreicht ihn unter fe.kibellus@gmail.com.

Kommentare (2)

  • Brian Röcken

    Toller Artikel!

    Verfasst am 15.06.2019 Antworten
    • Kibi500

      Danke 🙂

      Verfasst am 15.06.2019

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