LEBENSGEFÜHL

Wenn wir für Freiheit, Eigenständigkeit, Tolerant, Akzeptanz und Vielfalt einstehen, dann trauen wir Menschen zu, sich ihre Lebenspartnerin oder Lebenspartner unabhängig von Geschlecht und Religion selbst aussuchen zu können. Wir trauen Menschen zu, selbst entscheiden zu können, ob sie Cannabis konsumieren wollen. Wir trauen Menschen zu, sich in unsere Gesellschaft einzuleben und glauben, dass sie eine Bereicherung sein können. Wir vertrauen in die Menschen.

Das positive Menschenbild ist der Glaube des Liberalen.

Es ist nicht selbstverständlich, ein positives Menschenbild zu haben. Denn noch weniger als einen wissenschaftlichen Nachweis über die Gültigkeit unserer Werte, gibt es einen Nachweis, dass der Mensch gut handeln würde. Kriege, Armut und Umweltverschmutzung könnten uns dazu verleiten, den Menschen als führungsbedürftiges Wesen abzutun. Trotzdem haben wir ein positives Menschenbild. Das Positive Menschenbild ist der Glaube des Liberalen. Wir sollten uns eingestehen, dass auch unsere Politik zumindest in ihren Wurzeln auf eben dieser ideologischen Überzeugung beruht.

Unsere Programmatik ist Ausdruck unseres Glaubens.

Dem einzelnen Menschen Vertrauen entgegenzubringen, bedeutet aber nicht, dass diese allein gelassen werden dürfen. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, den Nährboden für mündige Bürgerinnen und Bürger zu kreieren. Es ist ein Irrglaube mancher Liberaler, der Staat sei nur ein hinzunehmendes Übel, um Mindeststandards in unserem Zusammenleben zu gewährleisten. Ein moderner liberaler Staat muss für Bildung, Grundversorgung und soziale Teilhabe sorgen. Nur so erhält der einzelne Mensch die Bedingungen, selbstbestimmt zu handeln. Nur so können wir unser positives Menschenbild aufrechthalten. Schafft die Gesellschaft diese Aufgabe nicht, schafft sie auf kurz oder lang das Liberale an sich ab und wandelt sich zum bevormundenden Erzieher. Deswegen treten wir ein für bessere Bildung, für ein liberales Bürgergeld, für bessere Infrastruktur im ländlichen Raum und soziale Teilhabe. Auch das ist Teil eines liberalen Lebensgefühls.

Um es mit den Worten von Ralf Dahrendorf auszudrücken: „Der aktive Begriff der Freiheit, den ich vertrete, erlaubt keine Ruhe, bevor nicht alle Wege zur Erweiterung menschlicher Lebenschancen erkundet sind, und das heißt, er erlaubt niemals Ruhe. Liberalismus ist notwendig eine Philosophie des Wandels.“[1]

Ein liberales Lebensgefühl bedeutet auch, die Offenheit für neue Ideen, die Infragestellung alter Ideen und die ständige Bereitschaft, Veränderung anzunehmen und zu gestalten. Das ist insbesondere unsere Aufgabe als junge liberale Menschen. In den Worten unseres früheren Außenministers und liberalen Parteifreund: „Aufgabe der jungen Generation liberaler Politikerinnen und Politiker ist es nun, treibende Kraft für neue Ideen zu sein – um das Prä der Freien Demokraten, nämlich das Weiterdenken, zu erhalten.“[2]. Lasst uns diese Aufgabe annehmen!

Das Lebensgefühl einer und eines Liberalen in einem Satz? Ein positiver Blick auf die Welt, die Menschheit und die Zukunft.


[1] Dahrendorf, Ralf. 1979. Lebenschancen. Anläufe zur sozialen und politischen Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

[2] Genscher, Hans-Dietrich / Lindner, Christian. 2013. Brückenschläge. Zwei Generationen, eine Leidenschaft. Hamburg: Hoffmann und Campe.


Über den Autor: Philipp Kellermann

Philipp Kellermann (28) studiert Politikwissenschaften in Marburg und leitet den Landesarbeitskreis Gesundheit, Arbeit und Soziales. Außerdem ist er Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen Schwalm-Eder. Ihr erreicht ihn unter kellermann@julis.de.

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