LIBANON

Libanon: Ein Land, das nicht nur direkt an das östliche Mittelmeer, sondern auch an Syrien und Israel grenzt und deshalb eher wenigen Menschen in Deutschland bekannt ist. Es ist auch nicht verwunderlich, dass kaum jemand die dortigen Parlamentswahlen Anfang Mai mitbekommen hat.

Nach 9 Jahren finden endlich wieder demokratische Wahlen statt, nachdem die Regierung aufgrund der kritischen Situation in den Nachbarländern ihre Legislaturperiode verlängert hat. In der verlängerten Regierungszeit ist die Regierung nicht unproduktiv gewesen. Im Vergleich zu den zuletzt stattgefundenen Wahlen trat dieses Jahr das neue Wahlgesetz in Kraft.

Libanon ist mit gerade einmal 4 Millionen Einwohnern ein sehr kleines Land. Doch innerhalb der Bevölkerung finden sich unterschiedliche Gesellschaftsgruppen wieder. So gibt es eine muslimisch politisch-konfessionelle Gemeinschaft, worunter unter anderem die Sunniten, die Schiiten und die Drusen zählen und eine christlich politisch-konfessionelle Gemeinschaft, die mehrheitlich aus Maroniten besteht. Des Weiteren findet sich auch eine kleine jüdische Gemeinschaft unter der Bevölkerung wieder.

Die Stabilität im Libanon kommt auch von einem sehr komplexen System der Machtteilung durch politische Posten. Dieses Konfessionalismus-System nennt sich auch Konkordanzdemokratie. So sieht die libanesische Verfassung vor, dass der Staatspräsident ein maronitischer Christ, der Ministerpräsident ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit sein muss.

Als zu unserem Bundestagswahlkampf letztes Jahr viele Libanesen nach Deutschland kamen, um uns zu unterstützen, haben sie Wahlkampf auf einer anderen Art und Weise kennen gelernt. Über die Unterschiede haben wir uns ausgetauscht. Dabei lernten sie ein Format in Deutschland kennen, was sie besonders überzeugt hat. Sogar so sehr, dass sie es geschafft haben, es bei sich in Libanon einzubringen. Es handelt sich hierbei um unsere klassischen Infostände. Während Infostände eine Selbstverständlichkeit und ein Must-Have zugleich für jeden Wahlkampf für uns sind, waren sie in Libanon für den diesjährigen Wahlkampf eine Neuheit. Um sich als Partei mit ihrem Stand zu präsentieren, hat die Partei Zukunftsbewegung tolle Sonnenschirme in ihrer Parteifarbe blau und dem Parteinamen anfertigen lassen. Hier hat die Partei sehr deutlich die liberale Flagge im Land gezeigt! Außerdem gab es tolle Give-Aways. Darunter als ein absolutes Muss: das Armband mit dem Parteienlogo.

Der Wahlkampf in Libanon wird extrem gut organisiert. Es gibt zahlreiche Wahlkampfhelfer, die von der Partei über die gesamte Zeit versorgt werden. Jeder Helfer bekommt von der Zukunftsbewegung einen Versorgungsbeutel. Neben Essen und Trinken liegt in diesem Beutel auch ein Handy drin. Dieses wird benötigt, um der Parteizentrale mitzuteilen, welcher Bürger seine Stimme abgegeben hat. Der Parteizentrale liegt eine Liste mit Stammwählern vor, anhand derer sie die von den Wahlhelfern erhaltene Information vermerkt. Diese Liste gibt der Partei einen Überblick, wer alles zur Wahl gegangen ist und wer seine Stimme noch abzugeben hat.

Stammwählerinnen und Stammwähler, die noch nicht bei der Wahl waren, werden von der Parteizentrale persönlich kontaktiert. Die Partei erinnert den Bürger höflich über die Wahl und bietet ihm an, ihn zum Wahllokal zu fahren.

Nachdem jeder Bürger seine Stimme abgegeben hat, wird sein Daumen in violetter Tinte eingetunkt. Der violette Daumen symbolisiert, dass seine Stimme einmalig abgegeben wurde. Somit wird sichergestellt, dass jeder Bürger auch wirklich nur einmal gewählt hat.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo am Wahltag kein Wahlkampf mehr geführt werden darf, wird in Libanon nochmal richtig Gas gegeben. Vor den Wahllokalen wird eine Sperrzone eingerichtet, um der die Parteien ihre „Check-Points“ aufstellen und für die Bürger noch ein letztes Mal mit Informationen zur Verfügung stehen.

Auf den Wahlzetteln stehen die einzelnen Parteien mit der jeweiligen Auflistung ihrer Kandidaten drauf. Bei der Auswertung der Wahlzettel ist Libanon tatsächlich fortschrittlicher als wir. Während bei uns die Wahlzettel noch händisch ausgezählt werden, erfolgt dies in Libanon bereits digital.

All diese Erfahrung durfte unsere Junge Liberale Katharina Schreiner mitnehmen. Wie hat Katharina den Wahlkampf in Libanon empfunden?

Die Parteien präsentieren sich stark durch Personen. Politische Inhalte rücken eher in den Hintergrund. Plakate in den unterschiedlichsten Größen überfluten das ganze Land. Die Verbreitung von Informationen erfolgt sehr stark über Social Media. Aber auch der persönliche Kontakt zum Bürger kommt nicht zu kurz. So empfand Katharina, dass die Libanesen den Bürger viel gezielter ansprechen, als wir Deutsche dies tun. Als Resumee, erklärt Katharina, wird Wahlkampf in Libanon viel effizienter betrieben.

Zum Schluss noch eine kleine Geschichte: Mohammad, der Vorsitzende von unserer Partnerorganisation Future Youth, und Katharina waren zusammen Abendessen. Vor dem Lokal trafen sie einen neunjährigen Jungen, der noch zu später Stunde Rosen verkaufte. Der kleine Junge war ein syrischer Flüchtling. Er kam mit Mohammad ins Gespräch und fragte nach einem Armbändchen von der Partei. Daraufhin fragte Mohammad den kleinen Jungen neugierig, warum er für seine Partei steht. „Weil der syrische Präsident Baschar al-Assad unser Land zerstört“, antwortete der kleine syrische Junge.


Über den Autor: Katharina Schreiner

Katharina Schreiner (31) ist Volkswirtin aus dem Kreis Frankfurt am Main. Sie war drei Jahre International Officer der Jungen Liberalen. Ihr erreicht sie unter schreiner@julis.de.

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