CHAMPIONS LEAGUE AUF ARTE?

Das klingt zunächst nach einer merkwürdigen Frage: Was haben Fußball und arte gemeinsam? Vielleicht wieder ein Debattenbeitrag zum Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk? Ich möchte diese Frage stattdessen nutzen, um ein europapolitisches Thema aufzugreifen. Unsere Debatten brauchen endlich eine europäische Öffentlichkeit!

In gemeinsamen Fragen muss Europa miteinander und nicht übereinander streiten. Ich beobachte immer wieder, dass bei europapolitischen Diskussionen zunächst die Hauptstädte mir ihren jeweiligen Regierungen zu Wort kommen. Geht es um die Probleme der Migrationskrise, hört man am lautesten die Regierungen Italiens oder Ungarns. Hält Macron eine Rede über die Zukunft der Währungsunion, ruft der halbe Kontinent nach Merkels Antwort. Damit steuern allein die Regierenden Europas und ihre Parteien den inhaltlichen Diskurs. In der Rolle ihres Advokaten machen es sich dann häufig die nationalen Medien bequem – jedenfalls wenn es um den eigenen Staat geht. Auch wirken Berichte von Korrespondenten aus den Hauptstädten Europas wie distanzierte Blicke von außen auf ein fremdes politisches System, eine fremde Kultur – schlicht eine andere Gesellschaft.

Doch die Unionsbürger müssen miteinander über die politischen Themen ihres Kontinents streiten. Nötiger denn je brauchen wir echte europäische Medien, die die Debatten in den Regionen Europas verbinden, um so deren Energie freizusetzen. Viele Mitgliedstaaten müssen mit ähnlichen Herausforderungen umgehen. So spielt beispielweise das wirtschaftliche und kulturelle Gefälle zwischen Land und Stadt in Portugal und Frankreich genauso eine Rolle wie in Finnland. In jedem Land streiten Linke, Konservative und Liberale um Lösungen. Doch häufig hören wir diese Stimmen gar nicht, weil sie von ihren Regierungen nicht vertreten werden – in Griechenland und Polen regieren keine Liberale. Genau diese Stimmen für Freiheit und Selbstbestimmung werden auch aus diesen Ländern einen Beitrag zur europäischen Öffentlichkeit leisten.

Neben den einzelnen Nationalstaaten und den verschiedenen Sprachen gibt es viele Gründe für die Defizite einer europäischen Öffentlichkeit. Das Europäische Parlament könnte längst ein Forum bieten, das allen politischen Strömungen Gehör verschafft. In der öffentlichen Wahrnehmung steht es trotzdem noch hinter den nationalen Parlamenten zurück, obwohl wichtige Debatten längst nicht mehr in Berlin sondern in Brüssel stattfinden. Dies muss nicht so bleiben. Die Wahlen zum Europäischen Parlament müssen das Fundament für das Gelingen einer gemeinsamen europäischen Öffentlichkeit sein. Es geht darum, kluge Parlamentarier nach Brüssel und Straßburg zu senden, die einen öffentlichen Diskurs über die Grenzen des eigenen Landes hinaus entfachen können.

Das lenkt den Blick auf den deutsch-französischen Fernsehsender arte. Mittlerweile sind Sendungen dort auch auf Polnisch, Spanisch und Italienisch abrufbar und mit dem arte journal ist eine Nachrichtensendung entstanden, die europäische Themen auf die Agenda setzt. Was bringt aber noch mehr Europäer gemeinsam vor den Fernseher? Was wird in Kneipen von Dublin über Amsterdam bis Rom unter der Woche geguckt? – wohl die Champions League. Fußball gehört auch zur Kultur und damit zu einem Kultur-Sender wie arte. Es wäre also ein wunderbarer erster Schritt zur europäischen Öffentlichkeit, wenn vor und zwischen den Spielen europäisch gemachte Nachrichten in allen Sprachen über die Bildschirme der Kneipen Europas flackern würden!


Über den Autor: Philipp Kratzer

Philipp Kratzer (27) promoviert über ein staatsrechtliches Thema an der EBS in Wiesbaden und kandidiert am 26. Mai 2019 bei den Wahlen zum Europäischen Parlament. Ihr erreicht ihn unter philippkratzer@web.de.

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