DIE SCHULE DER ZUKUNFT

Kaum ein Thema wird in der Landespolitik so emotional diskutiert wie der Zustand unserer Schulen und der Bildungspolitik. Eltern, Schüler, Lehrer und Politiker lassen kein gutes Haar daran: Die Schulen verfallen und sind technisch schlecht ausgestattet, der Stoff ist viel zu abstrakt oder überfordert die Schüler, andererseits werden Noteninflation und Rückgang der Leistungsansprüche beklagt. Und sowieso ist eigentlich immer zu wenig Geld da!

Das kommt euch bekannt vor? Seit Jahrzehnten wird dieselbe Kritik artikuliert und obwohl (oder gerade weil) ständig neue Reformprozesse angestoßen werden, ebbt diese nicht ab.

Die Schule, wie wir Sie kennen, wurde ursprünglich nach preußischen Idealen aufgebaut. Dort wurde mit der allgemeinen Schulpflicht von 1717 die Schulbildung einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich. Primär ging es um die Vermittlung von Grundkenntnissen (Lesen, Schreiben, Christentum, Gehorsam), die für wirtschaftliche Prosperität und Militärdienst benötigt wurden. Auch damals schon wurde die klare Trennung von Fächern und Schulformen historisch angelegt.

Unsere Gesellschaft hat sich seitdem radikal gewandelt: Globalisierung, Digitalisierung usw.
Und wie sieht es mit den Schulen aus? Kann man mit den Ideen des 18. Jahrhunderts die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern?

In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Bildungsreformen angestoßen. Aber was blieb? Die letzte große Bildungsreform der letzten 20 Jahre war die Einführung des achtjährigen Abiturs… um dann nach langem politischen Hin und Her wieder zum neunjährigen Abitur zurückzukehren. Während sich die Welt um uns herum immer weiter und schneller verändert, verzetteln wir uns in Detailfragen, die uns kein bisschen weiterbringen. Unser Bildungssystem gleicht nun mittlerweile einem Flickenteppich, den man über Jahre lang beständig geflickt hat. Aber anstatt immer nur Fehlerbehebung zu machen, wäre es dann nicht besser, einen neuen Teppich zu kaufen?  

Stellen wir uns doch mal eine grüne Wiese vor. Und dort bauen wir unsere Schule der Zukunft. Es gibt keine Denkverbote! Wie würde diese wohl aussehen?

Meine Schule der Zukunft braucht:

Schulen an die Macht.

Die lokal Verantwortlichen wissen am besten Bescheid. Die Politik soll nur den Ordnungsrahmen vorgeben, über die konkrete Ausgestaltung die Schulleitung entscheiden.

Mutiger Cut mit bestehenden Traditionen.

‚Das haben wir schon immer so gemacht‘, darf kein Totschlagargument beim Hinterfragen des Status Quo sein!

Schule, die wirklich Bildung verspricht.

Zahlreiche aktuelle Prüfungen zielen darauf ab, Inhalte zu reproduzieren. Weg vom Bulimie-Lernen und hin zu gedanklichen Transferleistungen. Das bedeutet auch, den individuellen Neigungen und Talenten eines Kindes gerecht zu werden. Ein Bildungswesen mit dem Ziel, alle gleich (auszu)-bilden negiert die menschliche Individualität.

„Fächergrenzen“ sinnvoll setzen und nicht willkürlich.

Klare Grenzen zwischen ‚Themengebieten‘ zu setzen ist kaum möglich, mutet oft willkürlich an und hemmt den Lernfluss. Unsere Welt besteht nicht aus Schubladen, die sich mit ‚Physik‘, ‚Chemie‘, ‚Gemeinschaftskunde‘ etc. beschriften lassen. Ein interdisziplinärer Unterricht über sog. ‚Fächergrenzen‘ hinweg sollte z.B. durch Projektarbeit ermöglicht werden.  

Schulen sind keine reinen Wissensanstalten.

Sondern sie sollen unseren Kindern das Rüstzeug für ein mündiges und eigenverantwortliches Leben in Freiheit nahebringen. Die Vermittlung demokratischer Werte und Persönlichkeitsbildung gehören dazu. Unsere Schüler müssen zum selbstständigen Denken und engagierten Einsatz für die Gesellschaft motiviert werden.

Förderung des intrinsischen Wissenstriebes.

Kinder haben einen angeborenen Drang zur Neugierde und eine Lernbegeisterung. Die Schule der Zukunft muss diese Triebfeder nutzen anstatt sie im Keim zu ersticken. Deswegen sollte jedes Kind mit seinen Fähigkeiten und Talenten individuell gefördert werden.

Investition in Technologie und Bausubstanz.

Unsere Schulen zerfallen! Unsere Kinder brauchen die optimalen technischen Grundvoraussetzungen, um sich entwickeln zu können. Investitionen in neue Infrastruktur sind zwingend notwendig. Am Zustand unserer Schulen kann man leider unsere aktuelle Wertschätzung für Bildung erkennen.  

Wenn du dir eine grüne Wiese vorstellst, auf der du die Schule der Zukunft erbauen könntest? Wie würde diese aussehen? Schreib mir deine Ideen an krauss@julis.de


Über den Autor: Christian Krauss

Christian A. Krauss (24) hat an an der Universität Gießen Zahnmedizin studiert. Während seines Studiums hat er sich im Bundesvorstand der Liberalen Hochschulgruppen mit Bildungsfragen beschäftigt und leitet aktuell den Landesarbeitskreis Bildung der JuLis Hessen. Er ist Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen Gießen. Ihr erreicht ihn unter krauss@julis.de.

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