Warum ich gegen die Frauenquote bin

Immer wieder beschäftigen wir uns (auch bei den JuLis) mit dem Thema „Frauen in Vorständen“ oder die fehlende Repräsentanz eben dieser. Für viele scheint die Lösung klar: Eine Frauenquote muss her! Auch in der Politik wird immer wieder bemängelt, dass „alte weiße Männer“ sie gestalten würden und Frauen selten bis gar nicht berücksichtigt werden.
Doch würde uns eine erzwungene Quote, welche auf Sanktionen und Strafen aufgebaut ist bei diesem Problem wirklich helfen? Oder liegt es doch bei uns (Frauen) selbst?

Seit einiger Zeit heißt es immer wieder, dass Frauen im Gegensatz zu Männern die besseren Abschlüsse machen , die Anzahl der weiblichen Führungskräfte verhältnismäßig aber eher langsam steigt. Doch schaut man sich die Personen an, welche in eben diesen Toppositionen arbeiten, fällt auf: keiner dieser Menschen ist unter 50! Auch die Frauen nicht . Heute, im Jahr 2019 machen die Frauen zwar die besseren Abschlüsse doch wird es noch seine Zeit dauern, bis eben diese qualifizierten Frauen sich zu einem Vorstandsposten hochgearbeitet haben, so wie es auch jeder qualifizierte Mann tun muss. Denn auch den „weißen privilegierten“ Männern wird nach dem Hochschulabschluss nicht direkt ein Vorstandsposten hinterhergeschmissen.

Meiner Meinung nach fühlen sich Frauen zunehmend wohl in der Rolle, in der sie die privilegierten Männer dafür verantwortlich machen können etwas nicht geschafft zu haben. Ich möchte nicht pauschalisieren und auch nicht behaupten, dass es absolut gar keinen Sexismus in der Arbeitswelt gibt, aber es ist immer einfach das Problem bei anderen zu suchen. Frauen fordern, zu Recht, eine Gleichbehandlung, doch gehen Rechte immer auch einher mit Pflichten. Wenn ich als Frau der Meinung bin, genau die gleichen Qualifikationen oder sogar mehr mitbringe als die Männer die sich auf einen Job bewerben, dann muss ich dies auch nach außen vertreten. Männer gehen selbstsicherer in ein Jobinterview oder eine Gehaltsverhandlung, sie sind sich sicher: Das bin ich wert! Frauen hingegen, so kommt es mir vor, wollen hören wie gut sie sind und was sie dem Unternehmen wert sind, anstatt auf sich selbst und ihr Können zu vertrauen. Ich persönlich möchte nicht in einen Raum rein kommen in dem alle anwesenden Personen wissen, dass ich diesen Job (für den ich mich sehr wohl geeignet fühle) nur auf Grund meines Geschlechtes bekommen habe, weil die Politik dies so vorschreibt und das Unternehmen sonst Geldbußen bezahlen müsste. Gleiches gilt bei der Listenaufstellung vor politischen Wahlen.

Der Vorsatz einer abwechselnd männlich-weibliche Reihenfolge der Liste klingt auf dem Papier nicht schlecht, wobei ich persönlich diese Art der Gleichstellung nicht unterstütze, so ist sie in der Realität auch kaum durchführbar. Um so ein Projekt durchzuziehen bedarf es an genügend Frauen, die sich zur Wahl aufstellen lassen wollen. Wenn dieses Kriterium also nicht erfüllt wird, muss ich als Partei also entweder die weiblichen Mitglieder zwingen zu kandidieren oder kann an der Wahl nicht teilnehmen? Beides sind Optionen die ich mir nicht vorstellen möchte. Was so eine Paritäten Regelung zur Folge hat, konnte man im November 2019 bei dem Parteitag der Grünen beobachten . Die Rednerliste wird abwechselnd männlich-weiblich geführt, wenn sich aber keine Frauen mehr zu Wort melden, wird darüber abgestimmt ob weiter diskutiert wird, soweit so gut. Nun wurde aber beschlossen, dass Männer von dieser Abstimmung ausgeschlossen werden. Ergo: Man verweigert den Männern das Stimmrecht! So ein Vorgehen ist das absolute Gegenteil von Gleichstellung. So etwas nennt sich Besserstellung!

Auch die FDP hat sich dem Thema angenommen, nimmt sie zwar Abstand vom Wort „Quote“, so gibt es dennoch seit April 2019 die „Zielvereinbarung“ . Bei vielen weiblichen Mitgliedern führte diese zu einem Aufschrei und nicht zuletzt auch zu Austritten junger, weiblicher Mitglieder . Auch ich sehe diese „weichgespülte“ Quote kritisch, da ich der Meinung bin, dass gerade in der FDP vorgelebt werden sollte, dass ein jedes Individuum alles erreichen kann was es sich vornimmt, wenn der nötige Wille vorhanden ist. Als Antwort auf diese Zielvereinbarung der FDP haben die JuLis Hessen auf ihrem 72. Landeskongress in Seligenstadt zwar eingeräumt, dass der Anteil der Frauen sowohl in der FDP als auch bei den JuLis gering ist und man sich aufgefordert sieht diese Tatsache kritisch zu hinterfragen, eine Quote oder „Zielvereinbarung“ aber gänzlich abzulehnen ist . Auch ich habe mich damals positiv zu diesem Antrag geäußert. Da ich denke, wie ich es oben bereits erläutert habe, dass Frauen gerne hören möchten, dass sie gut und wichtig sind. Auch für die Politik, warum nicht als ein paar Maßnahmen ergreifen?!

Alles was ich sagen möchte ist: Wir Frauen können alles schaffen, auch ohne Quote oder Paritäten Lösung, wenn wir es nur wollen. Um es in den Worten von Marylin Monroe zu sagen:

„I don’t mind living in a man’s world as long as I can be a woman in it.“


Über den Autor: Leonie Schikora

Leonie Schikora (25), studiert Moderne Fremdsprachen, Kulturen und Wirtschaft an der Justus-Liebig Universität in Gießen und ist stellv. Vorsitzende für Presse und Öffentlichkeitsarbeit im dortigen Kreisvorstand der Jungen Liberale. Mit ihrem Artikel möchte sie klarstellen, dass Gleichstellung nicht Besserstellung bedeutet. Ihr erreicht sie unter schikora@julis.de.

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