Let’s talk about Environment

Klimawandel oder Klimakrise, Erderwärmung oder Umweltzerstörung und handelt es sich dabei um ein Mega-, Giga- oder gar Ultraproblem? Viele verschiedene Begriffe lassen sich lesen und hören, wenn man die mediale Berichterstattung über aktuelle Umwelt- und Klimaproblematiken verfolgt. Manche Begriffe sind technisch ‚korrekter‘, andere sprechen eher unsere Emotionen an und wieder andere werden neugeschaffen, um bestimmte Interessensgruppen zu stärken bzw. zu diffamieren. Jedem öffentlichen Akteur muss klar sein, dass die Art und Weise, wie er oder sie über ein öffentliches und somit politisch relevantes Thema spricht, eine subjektive Werteinstellung und politische Überzeugung transportiert.

Es ist nicht möglich, abseits von Sprache Politik zu gestalten, da Sprache erst die Bedingung für jede Form politischen Handelns ist. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, bei der Wahl der Wörter, die ich dafür verwende, um über einen bestimmten politischen Sachverhalt zu sprechen, zweimal zu überlegen. Nichts anderes beschreibt das Konzept Framing, welches in jüngster Vergangenheit ebenso ein populäres Thema geworden ist. Beim Sprechen über einen bestimmten Sachverhalt entstehen kognitive Deutungsrahmen, die unser Wissen strukturieren und einer Information einen Sinn verleiht. Ist in der Folge ausschließlich von einer Klimakrise zu hören, so entsteht unterbewusst eine extrem negative Konnotation und eine ablehnende Verhaltenseinstellung. Wer den Begriff Klimakrise hört, dem wird eine realexistierende Gefahr aufgezeigt, von der der Rezipient überzeugt wird, dass sie bekämpft werden muss. In der Folge gewinnt die Partei, die suggeriert, die besten Lösungen gegen die Krise anbieten zu können oder der die höchste Kompetenz in dem Gebiet zugeschrieben wird, an Zustimmung und die Partei, die keinerlei Lösungskonzepte in ihrem Repertoire besitzen, verliert an Zustimmung oder positiv formuliert gewinnt an Ablehnung (entscheidet selbst, welches Framing euch besser gefällt). Selbiges gilt für den Ausdruck Umweltzerstörung. Niemand möchte gerne, dass das eigene Auto, die eigene Wohnung oder das eigene Smartphone zerstört wird. Im Gegenteil: Einer Zerstörung wird meistens versucht, durch präventive Maßnahmen, wie der Anmietung einer Garage für das Auto oder der Anschaffung einer Hülle für das Handy, entgegenzuwirken. Wird die Umwelt nun zerstört, so stößt auch diese Tatsache, ob sie nun faktisch korrekt ist oder nicht, auf Ablehnung und es wird versucht, etwas dagegen zu unternehmen. Weniger Plastik und seltener das eigene Auto verwenden einerseits und die Partei, die (vermeintlich) am meisten gegen die Zerstörung tut, wählen andererseits.
Eine wichtige Eigenschaft von Frames ist es, dass sie stets selektierend wirken: Mit Hilfe von Frames gelingt es mir, Informationen, die für meine Argumentation gemäß meiner politischen Überzeugung förderlich sind, hervorzuheben und gleichzeitig andere Informationen, die beispielsweise mein politischer Mitbewerber (oder Konkurrent oder Gegner) nutzt, unter den Tisch fallen zu lassen.

Ist es mein Ziel, eine emotionale Panik heraufzubeschwören, ist es durchaus hilfreich, von der anhaltenden Klimakrise zu sprechen, an deren Schluss, das Ende der Welt prophezeit wird, sollte jetzt, genau jetzt nichts dagegen unternommen werden. Der Gegenentwurf dazu wäre den natürlichen Klimawandel, den es schon immer gegeben hat und den es immer geben wird, da ohne ihn kein menschliches Leben auf der Erde möglich wäre, in den Vordergrund zu stellen. Ich persönlich bevorzuge jedoch ein Narrativ, welches sich dazwischen befindet:

Wir sollten uns der Verantwortung bewusst sein, dass unser menschliches Handeln direkte und indirekte Einflüsse auf natürliche Prozesse hat und dafür sensibilisieren, unser Verhalten auf eigenverantwortlicher Basis zu verändern.

Meiner Meinung nach sollten es gerade wir Liberale sein, die einerseits einen öffentlichen Diskurs auf Basis von Fakten sachorientiert führen und unseren Umgang mit der Klimapolitik nicht von der emotional aufgeladenen Polemik leiten lassen. Andererseits ist es aber auch nicht möglich, außerhalt von Frames miteinander zu kommunizieren. Wenn es etwas gibt, was Christian Lindner auszeichnet, dann ist das seine Rhetorik und sein Verständnis dafür, eine angemessene Sprache in jeweiligen Kontext zu finden. Bei der Debatte rund um die Umwelt- und Klimapolitik vermisse ich die Setzung eigener Begriffe von den Freien Demokraten. Außer einzelnen politischen Mitbewerbern die Schaffung einer Klimahysterie vorzuwerfen, was nicht die positive Art der Kommunikation ist, die man sich auf die Fahne geschrieben hat, sind die Antworten recht dünn. Was sehr schade ist, da wir Liberale es sind, die richtig gute und funktionale Antworten in Bezug darauf, wie wir unser Klima nachhaltig verbessern können, anbieten. Nur mit dem abstrakten Zertifikathandel können nur wirklich Politikinteressierte (wenn überhaupt) etwas anfangen. Vom Mechanismus, der dahintersteht, mal ganz abgesehen. Es bedarf einer einfacheren und vor allem konkreteren Sprache, die die Vielzahl an Bürgerinnen und Bürgern versteht, wenn Liberale von Emissionszertifikaten und vom Emissionshandelssystem sprechen. Klimascheine und CO¬¬2-Bepreisung sind ein guter Anfang, um die Botschaft zu kommunizieren, dass die Freien Demokraten technisch funktionale Lösungen anbieten, die zu einer wirklichen Reduktion der CO2-Emissionen führen. Diese Begriffe sind plastisch, nachvollziehbar und verständlich. Gerne mehr davon, schließlich sind es auch die Freien Demokraten gewesen, die das Umweltministerium gegründet und besetzt haben. Jetzt geht es darum, die ‚richtigen‘ Begriffe im öffentlichen Diskurs zu besetzen.


Über den Autor: Niklas Hannott

Niklas Hannott (24) studiert Politik, Germanistik und Geographie an der Philipps-Universität Marburg und ist  Landesvorsitzender der JuLis Hessen.  Ihr erreicht ihn unter hannott@julis.de.

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