Kommunalpolitik braucht junge Menschen

„Sie wissen gar nicht, was die Jugend will!“,

mit diesen Worten begann eine der ersten Debatten, die ich im Jugend-, Soziales- und Sportausschuss meiner Heimatstadt Bad Homburg erlebt habe. Nach der Kommunalwahl 2011, bin ich als grade 18 Jähriger, zum Stadtverordneten gewählt worden. Noch Schüler und in meiner Fraktion in der letzten Reihe sitzend. Als Junger Stadtverordneter hat man noch nicht die große Wahl, in welchem Ausschuss man seine Fraktion vertreten darf. Ich hatte das Glück mich im Jugend-, Soziales- und Sportausschuss grade auch für die Belange meiner eigenen Generation einsetzen zu dürfen. Eine Eisbahn im Winter, mehr Bolzplätze, Aufenthaltsorte für junge Menschen und bessere Radwege für den Weg zur Schule waren nur wenige Ideen, mit denen man das Leben der jungen Generation aktiv beeinflussen wollte. Nach der Kommunalwahl wurde jedoch schnell klar, dass das aus der Opposition heraus sehr schwer ist.

Bemerkenswert wurde es dabei vor allem, als mir der oben genannte Satz von Seiten der Regierungskoalition entgegengerufen wurde, während ich mich für einen Aufenthaltsplatz für die Jugend in der Innenstadt stark machte. Ich war perplex. Wie soll man das denn verstehen? Hat man als 18 Jähriger Schüler nicht eher das Ohr an der jungen Generation als jemand mit Mitte 50?

Solche Erlebnisse häufen sich in der Kommunalpolitik. Die Interessen junger Menschen werden natürlich auch von jeder Generation betrachtet, genau wie junge Stadtverordnete gegebenenfalls die Interessen einer älteren Generation im Blick haben. Doch ein gewisses Näheverhältnis zur eigenen Altersgruppe ist selbstverständlich. Das Problem bei den kommunalen Gremien ist, dass diese oft keine oder nur eine wenig repräsentative junge Stimmen als Mitglieder haben. Ein Antrag auf die Schaffung eines Seniorenbeirats in meiner Heimatstadt wurde mal scherzhaft mit dem Satz verworfen, die Stadtverordnetenversammlung bereits selbst der geforderte Seniorenbeirat. Dabei bietet ein ehrenamtliches Engagement auch in den kommunalen Gremien große Chancen, auch für junge Menschen.

Oft machen sich 18 bis 25 Jährige eher Gedanken, wie sie eine solche Arbeit stemmen können. Wo sind sie in zwei, drei oder vier Jahren? Studieren im Ausland oder zumindest in einem anderen Bundesland? Wie kann man sich dann auf eine so lange Amtszeit von fünf Jahren verpflichten?

Die Möglichkeiten, die sich durch eine Kandidatur auf einer Liste und gegebenenfalls durch eine Wahl in ein kommunales Gremium ergeben, werden dabei oft übersehen. Die Chance direkten Einfluss auf die Heimatstadt zu nehmen, das Leben der Einwohner zu verbessern und all die Dinge zu ändern, die einen selbst vielleicht schon lange stören. Die Chance etwas nachhaltig zu gestalten.

Kommunalpolitik findet vor der eigenen Haustür statt – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein neuer Fahrradweg oder doch lieber eine Spur mehr für Autos? Geht nicht vielleicht sogar beides? Das Finden von kreativen und neuen Ideen ist eine Herausforderung, die einen an Grenzen führt. Man trifft dabei die interessantesten Persönlichkeiten – über alle Parteigrenzen hinweg und lernt viel fürs Leben. Nicht zuletzt auch, wie schwer manche politischen Entscheidungen fallen können, wie behäbig das System sein kann und vor allem auch, dass nicht alles, was gut klingt, gut ist.

Den Aufenthaltsplatz für Junge Menschen in der Innenstadt haben wir damals, trotz Opposition, durchsetzen können. Auch die sachliche Kritik, ich hätte keine Ahnung was die Jugend will, hat dies nicht geändert.

Bald 10 Jahre später kann ich jedoch feststellen, vielleicht wusste ich es nicht. Angenommen wurde der Platz nie, er war zu öffentlich, zu einsehbar und ist vor allem mittlerweile wieder Geschichte.

Nur weil man jung sein mag, heißt das nicht, dass man es besser weiß.  Aber ohne junge Menschen in unseren Kreistagen, Stadtverordnetenversammlungen, Gemeinderäten und Ortsbeiräten fehlt eine Stimme, die gehört und die mit einbezogen werden muss. Kommunalpolitik braucht junge Menschen.


Über den Autor: Tim Hordorff

Tim Hordorff (geb.1993) wurde am 27.03.11 mit 18 Jahren und 6 Tagen zum jüngsten Stadtverordneten Hessens gewählt. Dort hat er sich als  Mitglied des Jugend-, Soziales- und Sportausschusses, sowie des Widerspruchsausschusses eingebracht. Tim ist Mitglied der Jungen Liberalen Hochtaunus und stellvertretender Vorsitzender im Bezirksverband Rhein-Main. Ihr erreicht ihn unter timhordorff@julis.de.

 

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