Klimaschutz in Italien

Ich war mit meiner Freundin vom 10-20.08.2019 im Italien Urlaub. Dabei habe ich überraschende Entdeckungen gemacht. Wie zum Beispiel, dass Italien im Bereich des Klimaschutzes in den Städten viel viel Fortschrittlicher ist als wir glauben.

Natürlich haben alle bei Italien in der Gedankenkombination mit Klimaschutz ein leichtes Lächeln auf dem Mund. Italien das ist das Land welches gerade einen Regierungswechsel in dem Zeitraum, wo ich da war, vollzogen hat. Es ist das Land, dass seit der Schuldenkrise droht abzurutschen und seine Gläubiger nicht mehr bedienen kann. Es ist in der Krise. Im Würgegriff der Populisten und kurz vor dem Absturz in eine Rezession. Krisen sind jedoch auch ein Whirlpool für kreative Ideen.
Unser Urlaub startete mit 2 Tagen in Mailand. Mailand hat 1,7 Millionen Einwohner eine Fläche von 182 km2. Ich und meine Freundin wollten die ganze Stadt sehen und deswegen auf leicht verfügbare Verkehrsmittel zugreifen. Auf der Suche nach billigen Fortbewegungsmöglichkeiten haben wir verschiedene Mittel gefunden. So ist zum einen das Mailänder Fahrradsystem „bikeMI“ hervorzuheben. Fast an jeder U-Bahn Haltestelle und in der Nähe von größeren Plätzen standen Fahrradständer.
Von dem Preis war ich etwas enttäuscht. Für einen ganzen Tag hätte man 4,50 € + ab einer Stunde zusätzlich 50 Cent gezahlt. Gegenüber der Bahn hatten Fahrräder jedoch den Vorteil du fährst irgendwohin stellst kurz ab, machst Fotos, isst was und kannst dann weiter fahren. Die U- Bahn hat dagegen pro Fahrtantritt für einen Zeitraum von 90 min 2€ verlangt. Weiterhin hättest du mit dem Fahrrad die ganze Stadt gesehen und wärst nicht einfach im Untergrund gefahren.

Leider kam es nicht zur Fahrt mit den Fahrrädern von BikeMI. Über die App konnte ich mich mit meiner deutschen Telefonnummer nicht registrieren. Vielleicht war ich auch zu doof, aber mehrere Versuche misslangen und irgendwann haben wir es aufgegeben. Die weitere Suche hat uns noch zu einen Moped Online Verleiher geführt. Leider ist eine Anmietung auch an der Anmeldung per App gescheitert. Eine Anmietung von einem Auto über ein Carsharing Anbieter wollte ich nicht, da ich den Stress des Mailänder Auto Verkehrs vermeiden wollte. Zu unserem Glück sind irgendwann Elektro Roller aufgetaucht. Wir konnten uns schnell und problemlos bei „ Helbiz Ride“ Elektro Roller mieten. Die Freischaltung kostet 1 € + 0,15€ pro Minute. Alle die jetzt die Elektro Roller verteufeln, die sind diese Roller nie selbst bei gutem Wetter gefahren. Diese Dinger machen Spaß. Mann kommt schnell voran, kommt nicht so stark ins Schwitzen und es ist echt eine Alternative zu dem vielen Laufen. Wir sind damit vom Hotel zum Dom gefahren. Nach einer kurzen Mittagspause sind wir mit den Rollern vom Dom zur Dominikanerkirche S. Maria delle Grazie gefahren. Die Fahrt hat so Spaß gemacht, dass uns die Tatsache das wir nicht das letzte Abendmahl von LEONARDO DA VINCI sehen konnten, da man sich vorher dafür anmelden mussten, nichts ausgemacht hat. Wir sind einfach weiter gefahren und haben uns von der Mailänder Innenstadt und ihrer Architektur beeindrucken lassen. Nach einer kurzen Kaffee Pause haben wir uns entschlossen doch Fahrrad zu fahren. Eine Anmietung von den Fahrrädern von „Mobike“ ist uns schlussendlich gelungen. Wir sind damit ungefähr 5 km gefahren zum Stadion San Siro. Ich weiß nicht, ob es an meiner Unsportlichkeit lag oder doch den schlechten Rädern, aber die Fahrt war echt anstrengend. Wir haben geschwitzt und geflucht, schlussendlich haben wir doch noch unsere Sportliche Leistung bewundert. Für die Rückfahrt haben wir uns klassisch für die U-Bahn entschieden.

Nach alledem muss ich nach der ersten Stadt das Fazit ziehen, dass für eine klimaneutrale Stadt nicht Dieselfahrverbote ausschlaggebend sind, sondern coole und preisgünstige Alternativen. Dazu gehört ein städtisches Fahrradverleihsystem auch mit Elektrorädern im Angebot. Ganz wichtig sind auch Elektroroller, nicht weil sie vielleicht im Endeffekt doch nicht klimafreundlich sind, was ich ernstlich bezweifele, sondern weil sie den Klimaschutz nicht zu einem Askese Projekt macht, sondern zu etwas was auch Spaß macht. Viele meiner Freunde die an ihren Autos hängen und U-bahn und Bus fahren ablehnen, sind erst durch den Elektroroller zu einem Umdenken gekommen. Sie denken um und denken: „Für die Strecke kann ich auch den Elektroroller nehmen.“ Es ist auch wichtig, dass die Stadt Mobilitätsangebote unterbreitet, wie zum Beispiel Fahrradverleih. Diese müssen günstig und leicht zugreifbar sein. Sind sie das nicht, so werden wir eine Chance vertuen und Menschen nicht zum Umdenken bringen. Ein Fahrradverleihsystem über die Stadt wäre auch kostengünstiger als ein Jahresticket für den kompletten öffentlichen Nahverkehr für nur 365 €.


Über den Autor: Farhad Djalilov

Farhad Djalilov (29) ist Rechtsreferendar am Landgericht Marburg und seit 2015 Mitglied bei den Julis Gießen. Mit seinem Artikel will er sich dafür einsetzen, dass die Städte mehr klimafreundliche Angebote für Ihre Bürger schaffen und sich nicht nur auf Verbote beschränken um das Klimaziel zu erreichen. Ihr erreicht Ihn unter Farhaddjalilov@gmail.com

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