DIE UNBEQUEMLICHKEITEN DER ALLGEMEINEN WEHRPFLICHT

Wohl jeden vernünftig denkenden Menschen freut die von statten gehende Abrüstung der konventionellen atomare Waffenpotentiale. Ein Vorrang, der seine Auswirkung auch auf die Bundeswehr hat und unter anderem eine Truppenreduzierung auf
370.000 Mann nach sich ziehen wird. Daraus resultiert wiederum, daß weniger Wehrpflichtige benötigt werden. Es müßte also gegebenfalls nicht jeder taugliche Rekrut in die Kaserne einziehen, ganz einfach weil er nicht gebraucht wird. Der Kriegsdienstverweigerer muß seinen Dienst aber auf jeden Fall tun. Die Pflegenotsituation läßt eine Welt ohne Zivildienstleistende mittlerweile undenkbar erscheinen. Die im Grundgesetz Artikel 12 a verankerte Wehrgerechtigkeit würde untergraben werden.

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer wird sich unter diesen Voraussetzungen verringern, einfach weil die Chancen gut stehen, im anderen Fall gar einen Dienst tum zu müssen. Willkür entschiede darüber, wer seine Wehrplicht erfüllen muß, und wer nicht.
Viele Politiker sind sich bewußt, daß dies kein Zustand für einen demokratischen Staat sein kann. Zwangsläufig entfacht die Diskussion, ob mit der Einführung einer reinen Berufsarmee nicht alle Probleme vom Tisch seien. Sicherlich eine besonders für junge Leute, die ihren Staatsdienst noch nicht abgeleistet haben, verlockende Perspektive, Nichts desto trotz sollte versucht werden, sich objektiv eine Meinung zu bilden, die nicht durch zu erwartende Bequemlichkeit beeinflußt wird.

Richtig ist, daß die heutige Bundeswehr nicht mehr mit der aus dem Gründungsjahr 1954 vergleichbar ist. Sie ist mittlerweile ein High-Tech-Unternehmen geworden, zu dessen Funktionsfähigkeit es in erster Linie der Spezialisten bedarf. In Expertenkreisen ist hin und wieder zu vernehmen, daß eine auf 12 Monate reduzierte Ausbildung nicht ausreichend sei, um den notwendigen Wissensstand zu vermitteln. Es drängt sich die Vermutung auf, daß die hohe Summe verschlingende Rekrutenausbildung eine Fehlinvestition sei. Ein Berufsheer schiene diesen Umstand zu eliminieren.

Dieses Modell hat allerdings auch eine Kehrseite, Der Grundsatz des „Bürgers in Uniform“ würde aufgegeben. Nicht umsonst hat sich unsere Mutterpartei in dem Wahlprogramm zur letzten Bundestagswahl auf die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht festgelegt. Nicht nur in der Geschichte Deutschlands, in vielen Staaten der Welt gibt es negative Beispiele für das, was passiert, wenn Soldaten eine isolierte gesellschaftliche Klasse bilden. Mit Waffengewalt könnten die politischen Geschicke in eine Richtung gepreßt werden, die nicht dem demokratischen Mehrheitswillen entspricht. Die Aufgabe der Bundeswehr ist aber die Friedenssicherung. Sie soll die Gesellschaft schützen, und kein inneres Gefahrenpotential darstellen.

Da es jedem Wehrpflichtigen freistehen muß, ob er seinen Dienst an der Waffe ausüben will, oder sich für den Zivildienst entscheidet, bleibt nur ein Weg offen, der den Pfad der Wehrgerechtigkeit nicht verläßt: die Wehrdienstzeit muß weiter verkürzt werden. Damit die Ausbildung der Soldaten nicht darunter leidet, sollte vielleicht auf ein Rezept zurückgegriffen werden, das ebenfalls aus dem F.D.P.Wahlprogramm stammt:

Die im Zuge der Reduzierung der Streitkräfte in Deutschland zu erwartende Verbesserung der Personalstruktur in der Armee, speziell des Verhältnisses der Zahl der Ausbilder zu der Zahl der Grundwehrdienstleistenden eröffnet auch die Chance zur Intensivierung und Verdichtung der Ausbildung… Will sagen: kürzere, aber qualitativ bessere Ausbildung. Wie sich die Bundesregierung entscheiden mag, birgt noch die Zukunft.

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