Die Corona-Pandemie als Verbots-Dünger

Deutschland war schon immer ein Land mit ausgeprägter Verbotskultur. Es galt selten allein die Abwägung, dass „Die Freiheit des einen dort aufhört, wo die Freiheit des anderen beginnt.“ Vielmehr lautet vielerorts die politische Maxime

„Die Freiheit des anderen ist mir egal.“

Bis es der eigenen geliebten und womöglich irrationalen Freiheit oder Betätigung, so unverständlich sie für andere auch sein mag, an den Kragen geht.

Viele politische Kräfte nutzen die aktuell durch die Corona-Beschränkungen befeuerte Obrigkeitshörigkeit gnadenlos für ihre lange gehegten Verbots- und Regulierungs-Phantasien aus. Von A wie Auspuff bis Z wie Zigaretten ist von fast jedem für fast jeden das passende Verbot dabei.

Zuerst ging es mit dem neuen Bußgeldkatalog nicht nur an den Geldbeutel der Autofahrerinnen und Autofahrer, sondern auch an ihre Fahrerlaubnis. Bereits bei Erstverstößen, die sich selbst durch größtmögliche Vorsicht nicht in Gänze vermeiden lassen. Womit haben die Macher des Gesetzes nicht gerechnet? Warum möchte der Verkehrsminister nun zurückrudern? Weil es noch immer verdammt viele Autofahrerinnen und Autofahrer gibt. Das Gesetz kann jeden von ihnen treffen.

Anders sieht es beim erneuten Vorstoß für ein Tempolimit auf unseren Autobahnen aus: „So schnell fahre ich ja sowieso nicht.“ ist immer wieder als wenig stichhaltiges Argument zu vernehmen. Um Sicherheitsaspekte geht es in dieser Diskussion schon lange nicht mehr. Vielmehr befördern die Befürworter beider Initiativen nur eines: Sonntagsfahrertum. Bei Sonntagsfahrern angekommen kommt dem geneigten Verbotianer direkt ein weiterer Gedanke: das Sonntagsfahrverbot nicht nur für LKW, sondern nun auch für Motorräder. Ach ja, die zulässige Auspuff-Lautstärke könne man dann auch gleich noch weiter regulieren.

Alles, was raucht scheint für viele unverständlich. Vielleicht ist es vieles davon ja auch?

Warum Menschen rauchen lässt sich immerhin schwerer erklären als der immernoch marktführende Verbrennungsmotor. Damit aber niemand auf objektiv dumme Gedanken kommt, hat die EU nun auch jedwedes Aroma aus Tabakwaren gestrichen. Was gefährlich ist, das soll wohl nicht schmecken oder gar Spaß machen dürfen.

Die Liste ließe sich vielfältig erweitern um Debatten über Fleisch-Mindestpreise oder ein Prostitutions-Verbot. Immerhin hat Ersteres einen Corona-Bezug, nachdem die Grünen in unserer Ernährung und Landwirtschaft den Auslöser der Corona-Pandemie ausfindig gemacht haben und Letzteres aktuell von einigen quasi als Verbot-auf-Probe angesehen wird.

Was unsere Debattenkultur braucht, ist mehr Respekt vor der Freiheit anderer. Gleichermaßen wie man diesen gegenseitigen Respekt zu Recht auch denjenigen abverlangt, die diese Freiheiten ausleben. Einfach leben. Und leben lassen.


Über den Autor: Brian Röcken

Brian ist 22 Jahre alt, Stadtverordneter in Mörfelden-Walldorf sowie Bezirks- und Stellvertretender Landesvorsitzender bei den Jungen Liberalen. In seiner Freizeit interessiert er sich für Fußball, Football und Schuhe und ist leidenschaftlicher Hobby-DJ.

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